Voller Tatendrang brachen wir am 19. September Richtung Ruanda auf. Hauptgrund unserer Reise war die Erneuerung unseres ugandischen Visums. Doch diesmal wollten wir auch der ruandischen Hauptstadt Kigali einmal einen Besuch abstatten.
Ruanda ist in vielen Dingen anders als Uganda. Es ist ein sehr durchorganisierter, französisch sprachiger Staat, in dem Sauberkeit auf den Straßen, Gurtpflicht im Auto, Helme beim Motorradfahren und Einhalten der Verkehrsregeln nicht nur Standard sind, sondern ein Verstoss gegen diese Regeln auch hart bestraft wird. Die Hauptstadt Kigali könnte aus diesen Gründen auch gut als eine europäische Großstadt durchgehen (siehe Bild oben). Dazu trägt aber nicht nur die Sauberkeit, sondern auch die Politik des Präsidenten bei, die arme Bevölkerung der Stadt und ihre Häuser aus dem Zentrum hinaus in die Randbezirke zu vertreiben (Bild unten: Kigali außerhalb des Stadtzentrums). Leider verliert die Stadt dadurch sehr viel von ihrem afrikanischen Flair.
Das markanteste und gleichzeitig tragischste Ereignis der ruandischen Geschichte war der Genozid in den 90er Jahren. Dabei versuchte die Hutu-Mehrheit ihre ruandischen Brüder, die Tutsi, systematisch auszulöschen. Der Ursprung dieses Konfliktes war in der belgischen Kolonialherrschaft und der starken Unterstützung der Tutsi als intelligenter Führungsriege des Landes begründet. Die ganze Welt sah zu als in den 90er Jahren Männer, Frauen und Kinder von ihren Nachbarn, Freunden und Verwandten auf den Straßen abgeschlachtet wurden. Niemand griff ein. Ruanda ist auch heute noch ein traumatisiertes Land, die seelischen Wunden der Überlebenden sind noch frisch. Vielleicht muss das Land auch deshalb so rigide geführt werden, weil sonst ein Zusammenleben von ehemaligen Mördern und Opfern unmöglich wäre (Bild: Gedenktafel mit Namen von Opfern).
Wir besuchten das Genozid-Museum, das sehr eindrücklich die Anbahnung und Ausmaße des ruandischen Genozids verdeutlicht und auch andere Völkermorde der Weltgeschichte vorstellt. Sehr nachdenklich hat uns gemacht, dass man von manchen Genoziden (vielleicht auch vom ruandischen) vorher noch nie gehört hatte...
Neben dem Besuch der Gedenkstätte hatte unser Ruanda-Wochenende aber auch noch spannende und sehr lustige Seiten.
Da wir nach Ruanda keinen Telefonkontakt herstellen konnten, waren wir zum Beispiel ganz spontan ohne feste Unterkunft hingefahren. Nach 3 Stunden Rumlaufen ohne Erfolg (alles belegt) fanden wir schließlich ein sehr kleines, echt einheimisches Hotel namens Belle Vie (siehe Foto).
Die Müdigkeit bewegte uns dazu, uns dort niederzulassen. Am nächsten Morgen waren wir uns dann jedoch alle einig, dass der Zustand der sanitären Einrichtungen, die allabendliche Massenversammlung vor unserem Fenster und die damit verbundene Unmöglichkeit das Fenster zu öffnen (unser Zimmer war ein Brutkasten!) oder Licht anzuschalten nicht unbedingt noch länger andauern müssen. Wir fanden dann tatsächlich ein sehr nettes, trotzdem billiges Hotel, das uns nach der vorherigen Erfahrung wie das Ritz vorkam. :-)
Am meisten Spass gab uns jedoch das Problem Zeitzone. Ruanda hat eine Stunde Unterschied zu Uganda - doch in welche Richtung? Wir waren uns jedenfalls sicher, dass Ruanda gegenüber Uganda eine Stunde voraus ist. An unserem ersten Tag waren wir dann sehr erstaunt über die langandauernde Hitze und Helligkeit in Kigali und die Weigerung der Kellnerin uns 18h von der Abendkarte wählen zu lassen. Abgerundet wurde dieser Eindruck von leeren Straßen um 9h morgens und einem angerufenen Taxifahrer, der zu dieser Zeit noch zu schlafen schien. Eine Nachfrage beim Personal unseres neuen Hotels ergab dann, dass wir einen Tag lang 2h vor all den anderen Menschen gelebt hatten (Ruanda ist nämlich gegenüber Uganda 1h zurück!)! So hatten wir also um 16h zu Abend gegessen, waren 20h ins Bett gegangen und 5.30h (!) aufgestanden. Unsere Freude über die 2h gewonnene Zeit feierten wir dann um 7.30h mit einem richtig großen Kaffee im für uns besten Coffee-Shop Kigalis.