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22. Juni 2008

Großstadtprüfung

Ab heute dürft ihr uns als Großstädter bezeichnen. Echt!
Nach unseren Heimatstädten - dem schönen AUERBACH im Vogtland und dem traumhaften ELBINGERODE - folgte nun, nach der Geradeso-Großstadt JENA, dann KABALE, eine echte Großstadtprüfung in der Hauptstadt von Uganda und Stadt der Superlative...
KAMPALA!!!

Ja, als Jäger der Visums durften wir für die letzte Woche in diese faszinierende Stadt eintauchen. Wir haben sie zu Fuß, per Motoradtaxi und Auto durchforscht und auch mit unserem Visum ist nun auf Umwegen alles klar gegangen. Aber nun genug der Worte, weil einige der Bloganschauer ja lieber Bildchen haben...

Während der Fahrt im Postbus gibt es immer mal nen Zwischenstop, um ein paar Einkäufe oder Snacks zu erstehen. Die Fleischsticks sind auf jeder Fahrt der Renner, sollen aber für manche Weiße schon zu Magenverstimmungen geführt haben.



Nun zu Kampala: Stadt der Superlative, denn...
... superviele Menschen...

















...superviele Autos...














... superviele Häuser ...

















... und Sachen, die man anderswo in Uganda schwer findet...


Tschüssi und Mahlzeit!!!

2. Juni 2008

Abenteuer Outreach

Heute nehme ich euch mit auf einen Outreach - herzlich willkommen!
Morgens 9.00h gleich nach der Morgenandacht soll es eigentlich los gehen... Geht es aber nicht - afrikanische Zeit! Da müssen hier noch Medikamente geordnet und da noch Impfstoff eingepackt werden, jemand hat noch etwas zuhause vergessen, das Auto muss noch schnell zur Reparatur oder jemand hat fälschlicherweise sein Geld fürs Mittagessen noch nicht bekommen - also Isa, setz dich hin, lies Bibel und versuch ganz ruhig zu bleiben :-)
Nun geht es endlich los! 2 Personen vorn und 4 hinten quetschen sich in den Allrad-Geländewagen (zur Not kann auch noch jemand im Kofferraum mitfahren - es passt immer!). Der erste Weg führt in die Stadt um sich noch mit genügend Chapati (Teigfladen), Chapsi (Fleischfladen), Samosas (Teigtaschen) gerösteten Maiskolben, Milch, Saft oder was auch immer zu versorgen - erinnert einen immer ein bißchen an einen Schulausflug...
Heute geht es nach Mukashekye - ein kleines Dorf nahe dem Lake Bunyonyi mit einer winzigen Health Unit, deren Hygienebedingungen jeden deutschen Arzt zum Schaudern bringen würden. Fahrtechnisch ist das Ganze sehr abenteuerlich, denn es existiert keine Straße, sondern nur ein Pfad für Kühe. Dass man alle 2 Minuten mit dem Kopf oder einem anderen Körperteil an Decke oder Fensterscheibe des Autos anschlägt, ist also inklusive. Die Ankunft im Dorf gleicht einem Staatsbesuch: die Wiese vor der Health Unit ist voller Menschen (nicht zwingend Patienten), Kinder schreien, wollen das Auto anfassen oder den Muzungu (sprich mich) bewundern. Der Outreach beginnt nun eigentlich mit einem Gesundheitsvortrag, denn die Hauptkrankheitsursache der Dorfbevölkerung ist Unwissenheit. Erläutert werden Themen wie HIV, Brucellose (Erkrankung durch unabgekochte Milch), gesunde Ernährung, Zahnpflege usw. Danach starten Arzt, Hebamme und Krankenschwester mit ihren jeweiligen Aufgaben. 70 Kinder impfen oder nur 2, 40 Schwangere untersuchen oder keine einzige - vorher weiß man das nie so genau. Für Medikamente, selbst zu ermäßigten Preisen, reicht bei vielen das Geld nicht bzw. sie wollen es nicht bezahlen. Patienten, die stationäre Betreuung bräuchten, haben oft nicht einmal genügend Geld für den Transport nach Kabale, geschweige denn für die häufig langwierige Behandlung. Immer wieder kommen Mütter mit Kindern, die so schlimm mangelernährt sind, dass sich einem das Herz zusammenkrampft. Aber gutes Essen ist wertvoll und so wird es lieber verkauft als es den eigenen Kindern zu geben...
Nach einem anstrengenden Tag mit mehr oder weniger vielen Patienten wird man meist beim Reverent des Dorfes zum Essen eingeladen - Matoke, Sweet Potatoes und G-Nut-Sauce natürlich. Also heißt es so viel wie möglich essen (denn zu wenig essen ist unfreundlich) und so wenig wie möglich trinken (denn die Latrinen auf den Dörfern sind ein Erlebnis, das man sich nicht zu oft gönnen möchte).
Der Rückweg zum Krankenhaus ist meist eher mit einer Einkaufsfahrt zu vergleichen: da werden Matoke gekauft und selbst geerntet, Säcke mit verschiedensten Lebensmitteln unterwegs bei Verwandten abgegeben und die eigenen Einkäufe in der Stadt erledigt. Außerdem wird immer wieder angehalten, um einen Bekannten am Wegesrand noch ins Auto zu quetschen - auch auf dem Schalthebel kann man nämlich sitzen! So kommt man dann müde, staubig und voller blauer Flecken, aber um einige Erfahrungen reicher wieder am Krankenhaus an - willkommen zurück!

@ Work

Als wir neulich wiedermal unser Blog aufriefen, wurde uns mit Schrecken bewusst, dass wir dem Krankenhaus, in dem wir den Großteil unserer Zeit verbringen, noch keinen einzigen Eintrag gewidment haben... Nun aber schnell!
Um 8.00 a.m. starten wir mit der Morgenandacht in den Tag. Es werden Lieder in Rukiga gesungen (natürlich mehrstimmig mit Trommel und viel Klatschen) und ein Mitglied aus dem Team hält eine kurze Andacht. Obwohl innerhalb des Teams die Meinungen über diesen gemeinsamen Beginn stark auseinandergehen, tanken wir dort immer viel Kraft und Freude für den neuen Tag.
Ich (Christian) muss mich nach Ende der Andacht dann schon beeilen, da im Anschluss sofort die Übergabe der Nachtschwestern stattfindet.
Danach beginnt die Visite. Die Ärzte wechseln von Tag zu Tag meist zwischen Kinder- und Erwachsenenstation - so bekomme ich überall ein bißchen Erfahrung. Eine Krankenschwester zum Übersetzen ist für mich unbedingt nötig und zur Zeit werde ich auch noch von einem Schwarm ugandischer Medizinstudenten begleitet, die gerade ihr Praktikum im Krankenhaus absolvieren.
Nach einer ganzen Reihe von "Wie geht´s denn heute?", Untersuchungen und Diskussionen bekommt man langsam einen Knoten ins Hirn, die Schwestern an der Seite sehen immer gelangweilter aus und auf einmal ist die Visite geschafft. Nun gilt es noch die Rechnungen für die heute entlassenen Patienten zu schreiben und eventuell ein paar schwierige Fälle durchzudenken bis letztendlich eine Tasse guter ugandischer Schwarztee mit Milch eine willkommene Pause bietet.
Im Rest des Tages empfange ich Outpatients ([autpäschents] = ambulante Patienten), was meist sehr spannend ist. Viele Patienten kommen mit Syptomen von Malaria, Typhus oder vielleicht doch Brucellose (?!), andere überraschen einen mit Zeichen von Mumps, schwerer Pneumonie oder sogar Bellsches Phänomen. Am härtesten erwischt es hier meist die unterernährten Kinder, was mir oft sehr ans Herz geht. Um so schöner ist es dann, wenn sie nach einigen Wochen Behandlung wieder richtig spielen und lachen können!

Für mich (Isa) laufen die Tage sehr unterschiedlich ab. Die letzten Monate war ich auf vielen Outreaches unterwegs, habe die verschiedenen Health Units kennengelernt, die das Krankenhaus betreut und mich in einige medizinische Problemlagen in den Dörfern eingearbeitet. Ca. 2-3mal die Woche finden solche Fahrten ins Umland statt, hinzu kommen noch 2-4 Outreaches der Zahnklinik. In Dörfern, die in der Regel 1-3 Stunden Fahrt (im unbequemsten, holperigsten und staubigsten Sinne des Wortes) entfernt sind, werden Schwangerenvorsorge, Impfungen, Gesundheitsberatung, medizinische Behandlung, AIDS-Tests und Zahn- bzw. Augenuntersuchung angeboten.
In meiner Zeit hier werde ich versuchen, die Qualität der Outreach-Einsätze ein wenig zu verbessern bzw. zumindest das Ganze etwas besser zu organisieren. Dazu gehört es engere Kontakte zu den Dörfern zu knüpfen um die konkreten Notlagen vor Ort zu erfragen, das Krankenhauspersonal immer wieder zu ermutigen (bzw. durch geforderte Reports auch zu zwingen), sich besser auf ihre Arbeit in den Dörfern vorzubereiten und auch all die Outreach-Aktivitäten in einer regelmäßigen Planung zu koordinieren. Da diese Aufgaben mit wechselndem Arbeitsaufwand verbunden sind, habe ich noch die Organisation der Gesundheitsvorträge für Patienten im Krankenhaus übernommen und bastele zur Zeit an einem Newsletter des Krankenhauses (den ihr dann hoffentlich bald über die Webside beziehen könnt!).